Nachtrag zu einem Monster
Es gibt Regeln. Zum Beispiel: A tote Sau sollst nimmer prügeln. Und es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel: Pinochet.
Es gibt Vorteile des Alterns, etwa die Erinnerung. Als Pinochet den sozialistischen, demokratisch gewählten Präsidenten Chiles, Salvador Allende, mit Hilfe der USA aus dem Amt putschte, war ich dreizehn, und die ganze mörderische Geschichte zählt, nebst dem Einmarsch der Sowjets in Prag 1968, zu meinen frühesten politischen Erinnerungen. Und da hat es schon einige Dinge dabei, die sich zu erinnern lohnen.
Zum Beispiel das: Die Gewehre, aus denen die Macht des faschistischen Diktators kam, waren Schweizer Sturmgewehre der SIG Schaffhausen. Heute stellt die keine Waffen mehr her, sondern nur noch Verpackungen. Aber das mit der Waffenausfuhr ist immer noch hochaktuell. (Initiative schon unterschrieben? www.gsoa.ch)
Oder dies: Wenn heute die US-amerikanische Regierung sich zart empört über den Stil Pinochets gibt, dann ist das schon höhere Heuchelei. Die CIA hat die oppositionellen Kräfte (beispielsweise die erzkonservative Lastwagengewerkschaft Chiles) gestützt, mit Hilfe eigener Agenten die Regierung destabilisiert und - who knows? - letztlich vielleicht auch etwas beim Sturm auf den Regierungspalast nachgeholfen.
Oder das: Im braven Schweizer Radio kamen Sendungen, die, verglichen mit dem heutigen Standard, geradezu revolutionär waren. Etwa diejenige über Victor Jara, den Poeten, Sänger und Widerstandskämpfer, den sie, zusammen mit Tausenden, in das chilenische Fussballstadion verschleppten und dort hinrichteten.
Irgendwie ist mir das geblieben. Die Abneigung gegen Imperialismus, gegen Fussballstadien und gegen all die Arschlöcher, die heute nicht müde werden zu betonen, dass Allende halt eben auch Fehler gemacht habe. Wie wenn das alles legitimieren würde.
Chile hat das Ganze noch nicht verdaut. Und auch bei uns sind noch Rechnungen offen.
Leserbriefe
Der amerikanische Staat war sehr direkt involviert. Und der hauptsächliche Drahtzieher hat einen Namen: Henry Kissinger. Ein Kriegsverbrecher, der auch Gräueltaten in Kambodscha und Zypern eingefädelt hat.
Es ist leider aussichtslos zu hoffen, dass er sich gerichtlich je wird für seine Taten verantworten müssen. Bleibt wenigstens der schwache Trost, voraussichtlich auf auch auf seinen überfälligen Tod demnächst mal anstossen zu können. Möge es ein qualvoller sein.
Andreas (sonst eigentlich nicht besonders rachedurstig)
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